Durch den Vorhang der Sonnenaufgang.
Am Mandelbäumchen hängen noch einige Tränen. Die Sonne wird sie wegradieren. Das kommt mir zu pass. Heute habe ich ein Projekt, eine Projektstelle, die hoffentlich bald verstetigt wird. Das Putzen der Tränketröge geht flott von der Hand, das Wegschippen der Kuhfladen auch. Bei den Liegeboxen mache ich Pausen. Eis nach em andere. Die Schulterblätter zwacken. Wenn sie zu fest zwicken und nörgeln, stelle ich die Gabel in die Ecke. So war der Plan. Die verstopften Spalten müssten noch vom Mist befreit werden. Plötzlich werde ich mir der Ähnlichkeit im Büro gewahr. Nur noch diese Mail. Ach, da würde ja einen kurze Antwort reichen. Frau Z könnte ich auch noch schnell anrufen. Der Wecker für die Pause schickt den dritten Reminder. Schweren Herzens hänge ich den Schlauch in den Melkstand, verräume Gabel und Schaufel und marschiere über den Hofplatz. Es ist und braucht Zeit. Kein Blick zurück. Es lohnt sich nicht. Vorwärts fühlt sich gut an, sehr gut sogar.
