Sonntag, 19. April 2026

Es riecht nach Regen. Noch singt die Amsel ihr schönstes Lied, hoch oben in der Trauerweide, Buchfinken, Meisen und die Turmfalken schnattern, plaudern, singen und flattern um die Wette.
Auf der Strasse einige verirrte Würmer. Die Rinder liegen zufrieden im Stroh und geniessen das Nichtstun. Könnte man meinen. Ich öffne die Weide und sperre die Wege. Im Freilauf der Tiere ist niemand zu sehen. Noch niemand. Der letzte Handgriff ist das Öffnen des Gatters. Die Rollen scheppern über die Betonplatte. Und Zack, alle stehen sie da. Zwölf Rinder. Sie hören und spüren alles, denke ich. Sie merken, wann sie die Chance packen sollten. Die Chance für Freiheit. Im Eilzugstempo marschieren sie an mir vorbei auf die neu abgesteckte Weide. Hätte es bereits geregnet, hätten sie keinen Wank gemacht. Jetzt aber kann das wertvolle Nass getrost kommen. Sind sie schon auf der Weide, stört sie eine Dusche nicht. Im Gegenteil.
Auf dem Hof schnattern mittlerweile nur noch die Spatzen. Sie haben immer zu reden, zu reden über das Gerede. Die letzten Sonnenstrahlen bahnen sich einen Weg durch das Wolkendach. Der Regen kann kommen. Wir sind bereit.

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