Mein Trigger am Sonntagmorgen früh – die Lüftung im Stall beginnt um Sieben zu surren.
Ich muss Rinder füttern, weil sie im Stall sind, statt auf der Weide. Ich suche Gabeln, die ich nicht finde. Es hat sie wohl jemand gefressen. Wie so oft. So, wie die Waschmaschine jeweils Socken verspeist, verschwinden lässt, wegzaubert. Berta schreit nach ihrem Kalb, das gar nicht ihres ist. Nur weil es gestern Nachmittag neben ihr lag, heisst es einfach noch nicht, dass es ihr gehört. Das muss sie jetzt lernen. Mein Arm blutet, weil ich ihn am Verschluss eines Schlauches aufgerissen habe. Nun, es ist, wie es ist. Vorgestern hat es auch bei uns geregnet. Just an dem Tag, als der Regenwassertank leer war. Was für ein Glück. Im Melkstand sassen heute Morgen zwölf Schwalben. Welche Freude. Gestern waren die Menschen äusserst vernünftig. Sie haben weder im Wald geraucht, noch heimlich Feuerwerk gezündet. Zumindest nicht bei uns und nicht dort, wo ich zu Besuch war. Man versteht und hebt zäme. Das ist grossartig. Und bei uns, auf dem Hof, sind alle Tiere und alle Menschen gesund. Das ist nicht selbstverständlich, gar nicht. Trotz allen Triggerpunkten bin ich heute Morgen dankbar. Dankbar und demütig. Das Blut am Arm ist gestillt. Berta hat aufgehört zu muhen. Es chunt guet.
Sonntag, 2. August 2026
(Bild mit Berta)
